Profilverbessernde Operationen („Dysgnathiechirurgie“)

Mit dem Fachausdruck „Dysgnathie“ wird eine Form- und Lageanomalie der Kiefer bzw. der Zähne nach einem unproportionalen Wachstum des Gesichtsschädels bezeichnet.

Äußerlich zeigen sich Fehlstellungen häufig in einer Abweichung von einem „normalen“ Gesichtsprofil, etwa einem „fliehenden“ oder weit vorstehenden Kinn, einem Doppelkinn trotz sonst schlanker Gesichts- und Halsweichteile, einer zu kurzen Oberlippe mit vorstehenden, oberen Frontzähnen oder auch einer extrem geformten Nase oder einer auffälligen Gesichtsasymmetrie.
Die Fehlstellung kann mehr oder weniger belastende gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorrufen, wie etwa eine Einschränkung der Abbeiß- und Kaufunktion, Lippenschlussinsuffizienz,  Fehlbelastungen von Zähnen mit evtl. vorzeitigem Zahnverlust, Kiefergelenksbeschwerden, Störungen der Nasenatmung wie auch Schnarchen, Magen- und Darmprobleme und Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen. In diesen Fällen empfiehlt sich unabhängig von der subjektiv empfundenen ästhetischen Beeinträchtigung auf jeden Fall eine korrigierende Behandlung.

Ist die Fehlstellung ausgeprägt und nicht auf die Zähne begrenzt („skelettale Dysgnathie“) , bedarf es einer kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgischen Behandlung.

Die durch die mehrjährige Leitung der Spezialsprechstunde für kieferorthopädische Chirurgie am Universitätsklinikum Charité Berlin sowie zahlreichen Fortbildungen an auf diesem Gebiet führenden internationalen Privat- und Universitätsklinika gewonnenen besonderen Erfahrungen von Dr. Zarrinbal gewährleisten Profilverbesserungen mit modernsten Operationsmethoden auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand (z.B.: präoperative Diagnostik mittels digitaler strahlungsarmer Röntgentechnik, computergestützte Profilplanung, neue Osteosynthesesysteme).

ÜBERBLICK über den Behandlungsverlauf:

Die Behandlung gliedert sich in drei Abschnitte: Vor-, Haupt- und Nachbehandlung.

VORBEHANDLUNG

Bei der Erstvorstellung erfolgt die Analyse der Gesichtsproportionen und der Bisslage anhand klinischer Untersuchung, Spezialröntgenbildern (OPMG, FRS, evtl. DVT) und Situationsmodellen (Abformungen der Kiefer). Das Ergebnis entscheidet darüber, ob zur Therapie konventionelle Maßnahmen ausreichen (Kieferorthopädie) oder kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgisch vorgegangen werden sollte.

Der innovative Ansatz besteht darin, dass Funktion und Ästhetik gleichberechtigt sind. Ausgehend von den Wünschen des Patienten werden im Sinne eines “ backward planing“ verschiedene Zielvorstellungen erörtert und die unterschiedlichen Behandlungsmethoden zum Erreichen dieses Ziels (Optimum an Funktion und Ästhetik) besprochen.

Es wird viel von 3-D Planung gesprochen ohne wirkliche Möglichkeiten der 3-dimensionalen chirurgischen Veränderung zu haben, gerade durch die später  erklärten Methoden wie Chin Wing Osteotomie und die Jochbeinosteotomie etc. ist es jetzt möglich den Gesichtern einen neuen Rahmen zu geben und so deutlich mehr an Attraktivität zu ermöglichen.

Im Falle eines operativen Eingriffs, ist in den meisten Fällen zunächst eine Vorbehandlung notwendig die in enger Absprache von einem Kieferorthopäden durchgeführt wird. In dieser Phase werden in der Hauptsache die Zahnbögen mithilfe einer festen Spange ausgeformt und aufeinander abgestimmt.

HAUPTBEHANDLUNG

Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, wird kurz vor dem Operationstermin eine Planungsoperation anhand von Gipsmodellen der Kiefer sowie eine computerunterstützte Simulation des OP-Ergebnisses anhand von Röntgenbildern und Fotos vorgenommen. Die eigentliche Operation wird stationär in Vollnarkose durchgeführt. Dabei wird vom Mundinneren her operiert, so dass äußerlich keine Narben sichtbar sind. Es können Ober- und Unterkiefer insgesamt oder auch nur Segmente dreidimensional verlagert werden. Die Fixation in der neuen Position erfolgt durch kleinste Titanplättchen. Eine evtl.  Jochbein-, Kinn-, Unterkieferrand- oder Nasenkorrektur kann oftmals simultan durchgeführt werden.

Unterkieferverlagerung

Die Osteotomie im Unterkiefer erfolgt minimalinvasiv mit einem kürzeren Knochenschnitt als bei der klassischen Methode nach Obwegeser Dal-Pont. Dieses Verfahren ist technisch schwieriger hat jedoch den Vorteil dass die Nervgefährdung (Gefühl in der Unterlippe) deutlich geringer ist. Durch den Einsatz von Spezialinstrumenten, neuen Plattensystemen und durch minimalinvasives Vorgehen, kann praktisch immer auf eine äußere Schnittführung und eine postoperative Verdrahtung der Kiefer verzichtet werden.

Oberkieferverlagerung

Der Oberkiefer wird nach Anlage eines feinen Knochenschnittes, mobilisiert. Die Einstellung und Fixation (Titanminiplättchen) des Oberkiefers erfolgt besonders nach ästhetischen Gesichtspunkten wie z.B.: Lippenfülle, Nasolabialwinkel etc.  Mithilfe von neuartigen Segmentosteotomien im Bereich der Oberkieferfront, ist es möglich die Lippenfülle unabhängig von der kieferorthopädisch erreichten Ausgangslage zu erhöhen.

Oberkieferdistraktion (z.B. bei Platzmangel im Oberkiefer)

(Chirurgisch unterstützte Gaumennahterweiterung, GNE)

Beim Erwachsenen ist die Gaumennaht schon geschlossen, das heißt zur Oberkieferverbreiterung muss sie mittels Chirurgie wieder geöffnet werden. Beim konventionellen Vorgehen erfolgt die eigentliche Erweiterung mithilfe einer zahngetragenen Hyrax, der Nachteil daran besteht darin, dass die Erweiterung indirekt über die Zähne erfolgt und die Hyrax die Zahnbewegung in der Retentionsphase blockiert. Als Alternative, um die Behandlung effizienter zu gestalten und die Behandlungszeit um ca. 4-5 Monate deutlich zu verkürzen, werden entweder vorgefertigte knochengestützte Distraktoren oder innovative individuell gefertigte  Distraktoren verwendet.

Segmentdistraktion im Bereich des Unterkiefers

Bei Engständen aufgrund von Platzmangel im Bereich des Unterkiefers wird als Alternative zur Extraktionstherapie (zumeist Entfernung  zweier Prämolaren ) eine Segmentdistraktion durchgeführt. Mithilfe eines feinen Knochenschnittes wird ein Segment gebildet (Segmentosteotomie), und ein individuell hergestellter Distraktor eingesetzt.

Eine Woche nach dem Eingriff erfolgt die Aktivierung des Distraktors, d.h. durch kontinuierliche Dehnung erfolgt eine gleichzeitige Knochen- und Weichgewebevermehrung. Der Vorteil besteht in der Zahnerhaltung, meistens wird auch das Profil (Sublabialfalte, Lippenfülle etc. ) verbessert statt mit einer Extraktionstherapie ein eingefallenes, konkaves Lippenprofil und ein Lachen mit seitlichen schwarzen Korridoren, aufgrund fehlender Zähne (dem Gegenteil von Julia Roberts Lachen) zu erzeugen.

Die gleiche Technik kommt auch in Frage bei einer dentalen Unterkieferrücklage aber ausgeprägtem Kinn, wenn eine konventionelle Vorverlagerung des gesamten Unterkiefers mit weiterer Kinnbetonung das Profil verschlechtern würde. Hierbei wird in der Unterkieferfront ein Segment nach vorn verlagert, um die dentale Unterkieferrücklage zu schließen. In die Lücken, die meist zwischen 3 und 4 im Unterkiefer eröffnet werden erfolgt ca. 6 Monate später eine Implantatsetzung.

Eine weitere Indikation stellen vorgeschädigte Kiefergelenke dar, die eine alternative, sie nicht noch zusätzlich belastende Behandlung zur konventionellen Unterkieferverlagerung benötigen.

Die Segmentdistraktion ist im Vergleich zu Unterkieferverlagerung ein kleinerer, wenig belastender Eingriff mit geringeren Risiken (z.B. Nervbeeinträchtigung), durch die tatsächliche Gewebevermehrung sind die Ergebnisse sehr stabil. Sie stellt oft eine elegantere Alternative dar.

Die meisten Eingriffe werden stationär durchgeführt, die Dauer des Aufenthaltes beträgt zumeist  etwa 2-4 Tage. Nahtentfernung ist am 10. postoperativen Tag. Nach 14 Tagen ist man wieder gesellschaftsfähig.

NACHBEHANDLUNG

Die neue Bisslage wird in regelmäßigen Abständen nachkontrolliert; deren Feineinstellung erfolgt durch den Kieferorthopäden mithilfe der festen Spange. Nach 6 Monaten ist eine Entfernung der Titanplättchen möglich, aufgrund der Bioverträglichkeit von Titan jedoch nicht zwingend notwendig.